Volkschulen und lokale Schulbehörden vor neuen Herausforderungen

Rechtliche Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit migrationsbedingter Jugendgewalt

Ein Viertklässler wird in der Pause von den Rädelsführern seiner Klasse zusammengeschlagen. Grund: Er hatte nicht den von ihnen vorgeschriebenen Weg zum Lehrerpult beschritten. Häufig wird erwähnt, Gewalt an Schulen werde grossmehrheitlich durch… Weitere Informationen...
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Beschreibung

Ein Viertklässler wird in der Pause von den Rädelsführern seiner Klasse zusammengeschlagen. Grund: Er hatte nicht den von ihnen vorgeschriebenen Weg zum Lehrerpult beschritten. Häufig wird erwähnt, Gewalt an Schulen werde grossmehrheitlich durch Knaben fremder Nationalität ausgeübt: Also gibt es ein Phänomen, das sich als migrationsbedingte Gewalt bezeichnen liesse? An unseren Schulen? Fest steht, dass die Schule seit ihrem Bestehen konzipiert ist als ein Ort der Vermittlung gemeinsamer Grundbildung, was bedeutet, dass sie auf Vereinheitlichung, auf homogene Verhältnisse ausgerichtet ist. Diese Ausrichtung allerdings steht in einem Spannungsfeld zur heutigen migrationsbedingten Vielfalt in den Klassenzimmern und es zeichnet sich ab, dass viele Schulen Mühe bekunden, sich im Gleichschritt mit dem veränderten Umfeld zu entwickeln, das Ganze zudem in Konfrontation mit gelebten Traditionen, die der schweizerischen Grundrechtsordnung, namentlich der Gleichberechtigung der Geschlechter, teils krass widersprechen. Schulen und ihre Behörden sind gefordert, Strategien im Umgang mit migrationsbedingten Herausforderungen zu entwerfen und zwar solche, die sich in der Praxis - und für die Öffentlichkeit möglichst ersichtlich - bewähren. Es geht dabei stets um die Frage, wie viel Toleranz geboten sein muss, aber auch darum, wie viel Toleranz geboten sein darf. Denn jedes zu weitgehend verstandene Toleranzgebot gegenüber rechtswidrigen Vorstellungen ist mit höchst bedenkenswerten Konsequenzen ausgerechnet für diejenigen, welche die aufertragene Toleranz zu schützen vorgibt: Im Bestreben, dem zugewanderten Mazedonierknaben die ihm vertraute Kultur einer geschlossenen Gesellschaft männlicher Vorherrschaft und im Bestreben, dem muslimischen Mädchen das ihm aufgezwungene Kopftuch zu belassen, wird beiden ein angemessener Zutritt zur modernen Gesellschaft, zu ihren fundamentalen Rechten und Pflichten und zu einem freien und mündigen Umgang mit ihren Möglichkeiten verwehrt. Welchem Auftrag ist die Volksschule angesichts dieser Ausgangslage verpflichtet? Lokale Schulbehörden haben sich Fragen wie diesen zu stellen. Diese Aufgabe beinhaltet zwar die Gefahr möglichen Scheiterns. Sie birgt aber auch spannende Herausforderungen und Chancen, die es zu nutzen gilt. Zu empfehlen ist keine Politik der spektakulären Würfe, sondern die Realisierung einer Schul- und Behördenkultur, welche in Orientierung an den eigenen beschränkten kommunalen Handlungsmöglichkeiten schrittweise entwickelt und klar kommuniziert wird.

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